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Das geheime Doppelleben eines Kirchenführers / Wie der Mormonismus Familien zerstört


Disclaimer: Der eingesendete Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung von mormonenaustritt.de wieder.


Intro/Hilfestellung


Mit diesem Blogeintrag möchte ich insbesondere anderen Jugendlichen/Mitgliedern helfen, die auf der Suche nach Antworten sind bzw. sich fragen, ob das alles normal ist, was sie in der Kirche durchmachen. Ihr seid nicht alleine! Und nein, das ist nicht normal. Hoffentlich kann euch meine Geschichte helfen. Ich habe anfangs etwas weiter ausgeholt, damit man den Nährboden für solches Verhalten in der Kirche besser versteht. Natürlich gibt es auch viele ehrliche und gute Menschen in der Kirche, die leider keine Ahnung davon haben, was viele Kirchenführer für eine Doppelmoral haben bzw. was sie für ein Doppelleben führen. Viele von ihnen haben aber auch keine Wahl. Denn auch wenn es vielleicht gepredigt wird, aber im Mormonismus ist kein Platz für Fehler. Schon gar nicht bei Kirchenführern. Was natürlich starken Druck aufbaut und auf Dauer natürlich nicht gut gehen kann.

Ich kann nur jeden Leser dazu ermutigen, das, was euch widerfahren ist, nicht in euch hinzufressen oder zu verdrängen, sondern aktiv die Missstände benennen und aufzuarbeiten. Habt keine Angst. Angst, sollten diejenigen haben, die euch in irgendeiner Form wehgetan haben oder euch körperlich oder psychologisch missbraucht haben. Lasst sie nicht davonkommen, sondern wehrt euch. Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit.



Das Familienbild der Mormonen


Bei den Mormonen spielt die Familie bekanntlich eine sehr große und wichtige Rolle. Was natürlich eine sehr lobenswerte Sache ist, wenn man sich einige Familienverhältnisse heutzutage anschaut.

Für mich hat auch nach meinem Austritt aus dem Mormonismus meine eigene Familie höchste Priorität. Was aber nicht wirklich damit zu tun hat, dass ich im Mormonismus aufgewachsen bin bzw. deren Lehre über die Familie. Tatsächlich liegt es eher daran, dass für meinen Vater trotz hoher Führungspositionen in der Kirche die Familie nie wirklich oberste Priorität hatte.

Es gab einiges, was ihm deutlich wichtiger war. Das waren neben dem Beruf auch das Ansehen und der Erfolg in der Kirche. Natürlich auch gefördert durch das System der Kirche selbst.

Was unmittelbar dazu führt, dass etwas auf der Strecke bleibt. Und bei uns war es tatsächlich das, was der Kirche doch angeblich am wichtigsten ist: die Familie.

Und sobald man hinter die Kulissen der Mormonen Kirche schaut, wird auch schnell klar, dass die Familie eben nicht die höchste Priorität hat. Es geht vielmehr um Geld, Kontrolle und den Schein.



Dem beruflichen Erfolg folgt der Erfolg in der Kirche


Mein Vater war beruflich sehr erfolgreich. Und das sieht die Kirche natürlich sehr gerne. Einmal, weil der berufliche Erfolg seiner Mitglieder auch mehr Zehnten-Einnahmen bedeutet, zum anderen, weil die Kirche (die wenigen) beruflich erfolgreiche Menschen auch gerne in Führungspositionen hebt. Sie sollen als Vorbild dienen für die normalen und durchschnittlichen Mitglieder, um ihnen zu zeigen: Hey, wenn du nur rechtschaffen genug bist, dann wirst du auch so toll und erfolgreich. Ähnliche wie Tom Cruise bei Scientology.

Denn für die Mormonen ist der berufliche Erfolg meistens ein Zeichen (Segnung) eines rechtschaffenen Lebens. Wer also nicht erfolgreich ist, der ist noch nicht rechtschaffen genug.

Deshalb ist mein Vater auch bei den Mormonen schnell in höhere Führungspositionen aufgestiegen, wo man natürlich wiederum in Kontakt mit noch höheren Führungspersönlichkeiten kommt. Es sollte also ein rechtschaffener Kreislauf nach oben sein. So jedenfalls der Anschein.



Mehr Schein als Sein


Und darum geht es eigentlich immer nur: den Schein zu wahren. Den Schein, dass wir eine vorbildliche und erfolgreiche Mormonenfamilie sind. Egal ob gegenüber der Verwandtschaft, den Mitgliedern oder Arbeitskollegen. Das saubere Image der Familie bzw. Kirche hatte für meinen Vater die höchste Priorität. Dabei habe ich erst vor Kurzem erfahren, dass bereits sein Vater ebenfalls sehr stark darauf bedacht war, dass keine negativen Informationen über die Familie nach außen getragen wurden. Die Familie wurde regelrecht darauf eingeschworen, den Schein zu wahren, koste es, was es wolle. Der Pate Style eben.

Bedingt ist dieser Ansatz sicher auch nicht verkehrt, denn man sollte natürlich erst einmal versuchen, Probleme intern zu lösen, bevor man sie nach außen trägt.

Aber in diesem Fall geht es nicht darum, Probleme zu lösen, sondern lediglich darum, die Familie heiliger darzustellen, als sie ist und sie noch stärker an die Kirche zu binden. Indem auch immer wieder die Würdigkeit als Voraussetzung genannt wurde, um Wertschätzung innerhalb der Familie zu erhalten. Sei es in Form von Erbstücken oder einfach nur die Anerkennung von Familienoberhäuptern als Familienmitglied. Alles ist indirekt an die Würdigkeit und Stellung -also auch den Schein in der Kirche- gebunden.

Und so wurde mit den ersten Scheidungen in der Verwandtschaft und ersten Abtrünnigen von der Kirche immer wieder klargemacht, dass man nicht mehr auf alle in der Familie zählen kann und somit auch nicht mehr wirklich zur Familie gehört. Viele seien auch des Familiennamens nicht würdig. Wie in der Kirche eben.

Was die Spaltung innerhalb der Familie natürlich nochmals vergrößerte. Hinzu kam dann noch viel Neid innerhalb der Verwandtschaft und Gemeindemitglieder, was den Sonntag immer wieder zur Farce machte. Während man sich in der Gemeinde nett zulächelte und warme Worte über Nächstenliebe verteilte, wurde bereits im Auto auf dem Heimweg über alle ausgeteilt und gelästert. Gesprächsthemen wie die Autos, Klamotten, Blicke und das Verhalten anderer waren wichtiger, als was man eigentlich gelernt hat. Aber Mormonismus ist eine Neidgesellschaft. Mormonen sind immer freundlich und nett zu Menschen, die weniger haben als sie selbst (potenzielle Bekehrte), weil sie sich überlegener fühlen und „helfen“ können, was ihnen ja von Jesus aufgetragen wurde.

Jedoch haben Mormonen oft ein Problem mit Menschen, denen es besser geht als ihnen selbst. Egal ob in der Kirche oder außerhalb. Zweites ist evtl. sogar noch schlimmer, denn wie kann es sein, dass es einem Nichtmormonen besser geht als einen Mormonen? Die Antwort ist meistens, dass Satan die Menschen mit Materiellen testet oder dass diese Menschen ja nicht wirklich glücklich sein können.

Auch deshalb ist der Erfolgsdruck unter den Mormonen so stark, denn wer nicht erfolgreich ist, der macht folglich etwas falsch.






Diskrepanz zwischen Wort und Tat


Wenn jeder ein Heiliger ist, wer ist dann noch besonders? Wie kann man sich hier abheben?

Dieser Druck sorgt dafür, dass viele Mitglieder (Familien) besonders sonntags ein regelrechtes Schauspiel an Heiligkeit aufführen, damit die anderen Mitglieder sehen, dass man erfolgreich und gesegnet ist und damit ein besonders Heiliger ist.

Da werden auch die dicken Autos gerne mal möglichst nah am Eingang geparkt, damit es nicht unbemerkt bleibt.

Davon gibt es aber oft nur eine Handvoll in einer Gemeinde, denn die meisten sind ja eher Durchschnittsbürger, die auch nicht viele Besitztümer haben.

Für die Familienmitglieder von Kirchenführern wird eine Diskrepanz zwischen dem, was sonntags vom Sprecherpult gepredigt und dem, was unter der Woche gelebt/gemacht, deutlich schneller sichtbar.

Welcher Jugendliche in der Kirche wäre nicht frustriert, der sonntags seine Eltern über Nächstenliebe philosophieren hört, obwohl er am Tag vorher noch eine Tracht Prügel kassiert hat?

Diese Scheinheiligkeit der Eltern führt natürlich unbewusst zu Konflikten innerhalb der Familie. Eltern werden in der Kirche immer schon auf die Pre-Gott-Ebene gehoben, denn das werden sie ja alle laut Mormonenglaube irgendwann, wenn sie im Tempel geheiratet haben. Die Schuld für Konflikte ist daher natürlich immer bei sich selbst zu suchen und nicht bei den Eltern oder der Kirche.

Darum sind viele Jugendliche Mormonen auch von unnötigen Schuldgefühlen geplagt, für Dinge, für die man sich nicht schuldig fühlen muss. Insbesondere die Keuschheit ist hier ein beliebtes Thema, um jugendliche Mormonen mündig zu halten.

Bereits früh wird Kindern und Jugendlichen klar gemacht, dass sexuelle „Unreinheit“ in der Sünden-Hitliste nur einen Platz hinter Mord steht. Das kann natürlich nicht zu einem gesunden körperlichen Selbstwertgefühl führen.

Natürliche und normale Bedürfnisse wie Masturbation werden regelrecht verteufelt. So ist es für den homophoben Apostel Packer doch der sichere Weg in die Homosexualität, wenn man masturbiert. Und so werden Jugendliche auch in regelmäßigen Interviews hinter verschlossenen Türen mit Kirchenführern (die im normalen Leben Maler, Lehrer oder z.B. Supermarktkassierer sind) ausgefragt, ob sie zum Beispiel masturbieren oder unreine Gedanken haben. So werden aktiv Schamgefühle und Angst aufgebaut. Und natürlich hat man auch Angst davor, mit irgendjemanden offen darüber zu sprechen. Denn man weiß nie, wer zum Bischof rennt und einen verpetzt. Diese Angst verfolgt natürlich auch Kirchenführer. Gleichzeitig geben sie diese Angst in Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen weiter.

Diese Angst führt bei einigen Jugendlichen sogar bis zum Selbstmord, verheimlichten Schwangerschaften/Abtreibungen durch ungeschützten Sex aufgrund fehlender Aufklärung.



Scheinheiliger Kirchenführer und Vater


Nachdem man sich nun selber so viele Sorgen um die eigene Würdigkeit und Erlösung gemacht hat, ist es natürlich umso unglaublicher, wenn man erfährt, dass der eigene Vater, der seine Kinder für sexuelle Unreinheiten maßregelt, selber nahezu seit dem Beginn seiner Tempelehe ein regelmäßiger und massiver Ehebrecher ist. Egal ob Arbeitskollegin, Call Girls oder Affären.

Gleiches galt auch für zum Beispiel Alkohol oder eben alles andere, was in der Kirche sonst noch verboten war.

Während ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mal mit meinen Freunden ein Glas Bier probiert habe, hat mein vorbildlicher Mormonen Vater heimlich und regelmäßig Alkohol getrunken.

Von Montag bis Samstag galten die Regeln der Kirche für den Patriarchen nicht, dafür aber am Sonntag umso mehr, wenn es darum ging, andere auf dem rechten Weg zu führen.

Man fragt sich somit natürlich, warum spielt jemand in der Kirche den vorbildlichen Saubermann, während man unter der Woche ein nahezu gegensätzliches Leben führt?

War es die Hoffnung auf eine noch höhere Position in der Mormonen Kirche? Sind es mögliche Geschäftskontakte in der Kirche? Fehlendes Rückgrat dazu zu stehen, dass man nicht wirklich an die Lehren glaubt?



Gewalt und Angst


Konflikte mit körperlicher Gewalt zu lösen, ist auch in Mormonen Familien nicht unüblich.

Das hat unterschiedliche Gründe. Zum einen vertreten Mormonen eine sehr konservative und veraltete Sichtweise der Familie und auch der Kindererziehung. Dazu werden natürlich auch stärker Erziehungsmuster der Eltern übernommen, da die Rolle der Eltern hier deutlich prägnanter patriarchalisch (s. o.) ist, als in andere Familien. Wenn Kinder Fehler machen, wird dies deshalb oft eher als Sünde oder mangelnden Respekts statt Teil eines Lernprozesses gesehen.

Und da in der Mormonen Kirche bekanntlich eher von Friede, Freude, Eierkuchen Familien gelernt wird, weiß kaum ein Mormonen Elternteil, wie man eigentlich korrekt mit Kindern/Jugendlichen umgeht, die nicht systemkonform handeln.

Und so werden natürlich auch härtere Erziehungsmaßnahmen gerechtfertigt, denn immerhin wollen die Eltern ja nur, dass ihr Kind auf dem rechten Weg Gottes wandelt. Später wird es schon verstehen und dankbar sein für die harte Erziehung.

Aussagen wie „zum Abitur prügeln“ „wofür er dankbar war“ sind da zu hören.

Schläge mit Gürteln oder Elektrokabeln gehörten auch für die Generation vor mir zu den gängigen Erziehungsmethoden.

Während ich heute die körperliche Gewalt, die ich und meine Geschwister erfahren haben, halbwegs verarbeitet habe, so geben mir heute einige krasse Vorkommnisse weiterhin stark zu denken, was „Eltern“ dazu veranlassen kann, ihre Kinder so psychisch zu misshandeln, während man gleichzeitig in der Mormonen Kirche in Führungspositionen von Nächstenliebe predigt.


So wurde ich zum Beispiel als etwa 8-10-Jähriger, nachdem ich irgendwas „angestellt“ habe, mit gepacktem Koffer von meinem Vater im Dunkeln erst zur Polizeistation gefahren und danach an einem verlassenen Feldweg in der Nähe der Autobahn ausgesetzt.

Ich stand heulend mit meinem Kinderkoffer im Dunkeln und sah nur noch die roten Rücklichter unseres Autos. Ich wusste nicht, wohin und was ich tun sollte. Also lief ich einfach. Können Sie sich vorstellen, was im Kopf eines Kindes in diesem Moment vorgeht? Selbst wenn ich jetzt noch darüberschreibe, kann man eigentlich nicht in Worte fassen, wie erbärmlich so ein Mensch ist, der zu so was im Stande ist.

Glücklicherweise (vielleicht auch nicht) kam mein Vater dann nach einigen Minuten wieder zurück und holte mich ab.

Mein Kinderzimmer wurde von meinem Vater unzählige Male komplett zerstört, während ich in der Ecke saß und hoffte, dass es bald vorbei sei. Oftmals wurde ich sogar durch das Zimmer geschmissen. Die unzähligen Schläge von meinem Vater. Die Schreie meiner Geschwister im Nebenzimmer, als mein Vater sogar auf sie eintrat, trotz einem Baby auf dem Arm.

Geschwister wurden aus dem Haus gesperrt. Als diese dann bei Freunden aufgefunden wurden, gab es so heftige Prügel, dass sich Geschwister sogar wünschten, dass sie lieber tot seien. Zähne wurden ausgeschlagen.

Und was hat es gebracht? Es hat nur noch mehr Angst bewirkt und Vertrauen zerstört. Es war egal, ob man die Wahrheit sagte oder beim Lügen erwischt wurde. Es gab ordentlich Prügel.

Wo war die sonntägliche Nächstenliebe? Wo war die Kirche? Ich weiß wo sie war. Sie war damit beschäftigt, meinen Vater in die nächste Führungsposition zu berufen. Unglaublich? Tatsache!

Natürlich hat das Ganze keiner von uns der Polizei, dem Jugendamt oder der Kirche gemeldet. Nicht vorstellbar, was dann losgewesen wäre. Die Angst war zu groß, tatsächlich draufzugehen.

Alles, was ich jemals wollten, war: Liebe, Vertrauen und Aufmerksamkeit. Was in der Kirche gelehrt wurde. Aber es blieben immer nur die Worte seiner Ansprachen, nicht seiner Handlungen.

Das war für mich einige der schlimmsten Momente, in denen ich das Vertrauen in meine Eltern verloren hatte und das Verhältnis fortan hauptsächlich von Angst geprägt war. Angst davor, erneut durch Fehler wieder zu enttäuschen.

Angst davor, wieder ausgesetzt zu werden, in ein Heim oder Internat zu kommen. Das Einzige zu verlieren, das ich hatte und mir jemals wichtig war. Meine Familie.

Als Kind war es das schlimmste Gefühl, von seinen Eltern nicht geliebt zu werden. Und dieses Gefühl wurde uns immer wieder vermittelt, wenn Fehler gemacht wurden.

Fehler = Sünde = kein Respekt = keine Liebe ist das Denkmuster vieler Mormonen Eltern, was natürlich auch durch die Lehre der Kirche immer wieder bestätigt wird.

Wir Kinder durften bloß nichts Dummes anstellen, was normale Jugendliche aber machen. Heute bin ich dankbar für jede Dummheit, die ich gemacht habe. Auch wenn die Konsequenzen oft schwer zu ertragen waren, so waren es gerade diese Erfahrungen, von denen ich am meisten über das Leben gelernt habe und wie ich heute mit meinen Kindern umgehen werde, wenn sie eine Dummheit anstellen, was sie hoffentlich tun. Dann werde ich der Erste sein, der an ihrer Seite ist.



Die Lügengeschichten gehen weiter


Eine Hochzeit im Tempel ist für die Mormonen so ziemlich das höchst Ziel auf Erden. Das wurde uns nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Familie immer gepredigt.

Wer nicht im Tempel heiratet, der will ja nicht ewig mit der Familie zusammen sein und ist daher schon auf Erden kein Teil der Familie mehr.

Nun war für uns der große Tag endlich gekommen, im Tempel der Mormonen zu heiraten.

Wenn man sein ganzes Leben auf diesen Moment hingearbeitet hat, der von der ganzen Familie herbeibeschworen wurde, dann erwartet man eigentlich auch, dass diese entsprechend präsent ist. Nicht so bei meiner Vorzeigefamilie. Keiner aus meiner Familie

war bei meiner Tempelhochzeit anwesend.


Natürlich stellte sich später raus warum. Mein Vater lebte zu dem Zeitpunkt heimlich bei einer seiner Affären und ihrem Kind. Seiner Frau und Kindern erzählte er immer, er sei beruflich unterwegs, benötige mal längere Auszeiten, Burnout, Krankheit etc.

Denn natürlich hatte seine Affäre kein Interesse daran, dass er sich mit seiner richtigen Familie (also Ehefrau und seinen Kindern) trifft.

Interessanterweise war seine Affäre sehr ähnlich gestrickt, denn auch sie lügt Menschen an, um daraus für sich einen Vorteil für sich zu ziehen.

Eine Frau, die Menschen einen Schwachsinns-Cocktail aus Kalendersprüchen, Glückskeksphrasen garniert mit Verschwörungstheorien (5G etc.) serviert.

Komischerweise hat sich mein Vater früherer immer über diese „Esoterik-Spinner“ lustig gemacht. Davon ist heute nichts mehr zu hören. Es wird sich alles so zurecht gedreht, damit die eigenen Lügen erträglich bleiben.

Und dass er sich nicht verändert hat, zeigt die Tatsache, dass er heute weiterhin Affären hat.

Jeder bekommt eben, was er verdient.



Vom Vorbild zum Gegenteil


Mein Vater, der vielleicht irgendwann mal ein Vorbild für mich war, ist heute für mich das absolute Gegenteil. Er ist eine charakterlose Person, die ständig nur ihren eigenen Vorteil sucht und sich alles so zurecht dreht und lügt, um den Menschen zu gefallen, von denen er profitieren kann. Eine Person, für die ich mich heute schäme. Während ich natürlich auch nicht frei von Fehlern war/bin so habe ich doch immer dazu gestanden, die Konsequenzen getragen und meine Fehler bestmöglich korrigiert. Und so habe ich auch immer zu meiner Überzeugung gestanden, dass die Kirche nicht richtig ist und bin entsprechend ausgetreten. Nicht so mein Vater. Er ist auch heute noch Mormone und lebt sein scheinheiliges Leben weiter.


Als Vater hat er bereits bei allen seinen Kindern versagt, während wir noch zu Hause lebten. Heute, wo er die Möglichkeit hätte, vieles wieder gut zu machen, versagt er noch deutlicher, indem er keinerlei ehrliches Interesse mehr an seinen Kindern zeigt, sondern nur darauf aus ist, dass er mehr Kinder auf seiner Seite hat als seine Ex-Frau.


Hier muss ich einem Zitat von Boyd K. Packer nur recht geben, dass „kein anderweitiger Erfolg ein Versagen in der Familie wettmachen kann“.

Dieser Erfolg beinhaltet auch den Erfolg in der Kirche! Und ohne die Opfer, die wir als Familie gebracht haben, wäre der berufliche und kirchliche Erfolg meines Vaters nicht möglich gewesen. Die Familie war für ihn scheinbar nur eine Sprosse in der Karriereleiter. Denn ohne Vorzeigefamilie macht niemand bei den Mormonen Karriere.



Die Kirche braucht skrupellose Menschen

Und scheinbar sind es genau diese skrupellosen und scheinheiligen Menschen, auf die die Mormonen Kirche ihren Erfolg baut.

Denn sonst hätte die erste Präsidentschaft nicht die „klare Eingebung“ gehabt, ihn zu immer höheren Ämtern zu berufen.


Daher hoffe ich, dass die Leute sich nicht auf die schönen Worte der Kirche und ihrer so „vorbildlichen“ Führer verlassen, sondern lieber auf ihren gesunden Menschenverstand. Die Mormonen Kirche war seit ihrer Gründung eine Show. Sicher nehmen Leute auch gutes aus der Kirche mit. Aber sind das nicht Werte, die sowieso jeder haben sollte? Wozu braucht es dann eine Kirche, an die man Geld und Zeit investieren muss? Wo man sich regelmäßig einreden lässt, dass man noch nicht gut genug ist. Und das von Leuten, die selber nur eine Show spielen?!


Reflektierend sollte sich jedes Mitglied natürlich die Frage stellen: Woher kommt die „Inspiration“ der obersten Kirchenführer, so eine Person trotz massiven Fehlverhaltens als würdig zu befinden, immer weiter in der Kirchenhierarchie aufzusteigen?

Dass selbst ernannte Propheten, Seher und Offenbarer sich von den amateurhaftesten Schwindlern blenden lassen, ist nicht erst seit Mark Hoffmann Tatsache. Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert. Und auch dies war für mich ein klarer Beweis dafür, dass die Kirche nicht wahr sein kann. Denn in den zahlreichen Interviews mit hochrangigen Kirchenführern, die ja alle die Gabe der Unterscheidung besitzen sollen, ist niemanden aufgefallen, dass vor ihnen ein jahrelanger Ehebrecher und Kinderschläger sitzt.


Auch die Hinweise meiner Mutter an Kirchenführer auf die diversen gravierenden Vergehen blieben komplett ohne Konsequenzen. Schon krank, wenn man bedenkt, dass mein Vater in seiner Position andere Menschen wegen derselben Vergehen aus der Kirche durch ein Kirchengericht ausgeschlossen hat. Er selbst aber bleibt ohne Konsequenz für sein Handeln. Aber die Kirchenführer decken sich hier gegenseitig. Solang die (potenziellen) Zehnten Einnahmen stimmen, zählt das Wort einer Frau in der Kirche weiterhin nichts.

Viele Kirchenführer sind natürlich auch miteinander befreundet, haben evtl. sogar geschäftliche Beziehungen. Da ist ein Kirchengericht natürlich nicht förderlich. Somit steht die persönliche/Geschäftsbeziehung über dem Gesetz Gottes und der Kirche und massive Sünden bleiben ohne Konsequenzen.






Schlussstrich


Ich habe mit dem Schreiben dieses Textes meinen Abschluss mit meinem „Vater“ gefunden.

Erst letztens habe ich ein Bild von ihm im Internet gesehen und ihm in die Augen geschaut. Ich habe ihn nicht wiedererkannt. Er war für mich wie ein Mensch, den ich zufällig auf der Straße getroffen habe. Ich habe keine Gefühle mehr für diesen Menschen. Weder gut noch schlecht.


Wenn mein Vater gestorben ist, dann wird er für seine Geschäftspartner, die Mormonen Kirche und seine Affären als ein profitabler Kontakt in Erinnerung bleiben.

Für seine Nachkommen und Familie wird er hingegen nichts hinterlassen, was wertvoll und erinnernswert ist.

Er wird nur einer der weiteren Vorfahren sein, für den sich unsere Generation schämt und an den unsere Nachkommen keinen Gedanken mehr verschwenden.

Das dunkle Kapitel des Mormonismus, der Gewalt, des Betrügens und des Lügens wird mit seinem Tod enden. Wir und unsere Kinder schreiben bereits am nächsten Kapitel, was frei von religiöser Unterdrückung, Gewalt und Lügen ist. Sollten sie jemals fragen, wer ihr Opa war, denn werden wir ihnen erklären, warum er kein guter Mensch war und sich nicht für sie interessiert hat. Und dass sie froh sein können, dass sie ihn nie so kennengelernt haben, wie ich es musste.




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